Die Debatte zu Thilo Sarrazins Thesen scheint verebbt - Rückblick auf ein Beispiel deutscher Streitkultur

Die Debatte zu Thilo Sarrazins Thesen ist verebbt, so dass man tatsächlich mal einen Blick zurück auf die deutsche Debattenkultur werfen kann.

Die bigotten Lobbyisten des intellektuellen Deutschland benutzten vor allem drei Formulierungen, um eine von ihnen nicht bestimmte Debatte totzuschlagen: Die Worte „nicht auszuhalten“, "nicht hilfreich" und „unerträglich“. Mit ihrem Krieg gegen die unpassende Meinung verorten sie sich im Absolutismus und sind noch nicht einmal bei den Aufklärern angekommen (Voltaire: Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“)
Zu einer modernen Streitkultur fehlen diesen Hofschreibern 200 Jahre. Am klarsten hat Volker Zastrow in seinem Artikel "Körperzellenrock" diese Spezies beschrieben: als kriechende Schleimer.

  • Warum soll „unerträglich“ sein, dass einer die Welt so beschreibt? Weil sie nicht so ist? Oder weil man er nicht aushält, dass sie so ist? Oder weil sie nicht so sein darf.
  • Deutschland hat kein Verhältnis zur Freiheit. Es straft Meinungen mit Berufsverboten, mit der öffentlichen Todesstrafe, dem Ruf-Mord.
  • Im Milieu der Schnecken sind Säure und Seife nicht artgerecht, was ätzt oder klärt, wirkt schleimlösend.
  • Dazu passt, dass nahezu jeder, bis ins Privateste, mit der Überzeugung durch die Gegend zu kriechen scheint, seine Gefühle seien Heiliges, das nie und nimmer verletzt werden dürfe - der heilige Schleim. Wir lieben es nicht, das offene Wort, den Freimut, die Ehrlichkeit. Nicht privat, und öffentlich erst recht nicht. Da gilt Null Toleranz. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, aber bitte ph-neutral.
  • Bei der Meinungsfreiheit geht es ja nicht um Abstraktes. Sondern um Macht. Darum, wer anderen das Maul verbieten kann - schon klar, nicht verbieten, nur verdreschen - und wer es verboten, verdroschen kriegt. Diese Macht haben und nutzen die Lobbyisten und Meinungszüchtiger, die Mönchskrieger der öffentlichen Sprach- und Denkwirtschaft. Und natürlich die Nacktschnecken in ihrer weltanschaulich gefestigten Neutralität. Sie wirken, laut Artikel 21 GG, an der politischen Willensbildung des Volkes mit.

Kommentare

  1. p.s.: Was hat dieser Sarrazin eigentlich geschrieben? Für die vielen, die sich aufgeregt an der Debatte beteiligten, obzwar sie ihn NICHT gelesen haben - damit sie wenigstens wissen, worum es ging: http://www.faz.net/artikel/C30512/integrationsdebatte-was-schreibt-sarrazin-eine-handreichung-in-thesen-30307230.html
    (den "Schnipsel" in die Browserzeile kopieren)

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