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Gauck "relativiert" Holocaust - und stellt sich in die Tradition der Ex-Nazis im Bundespräsidentenamt

Gauck im März 2006 vor der Robert-Bosch-Stiftung: "Unübersehbar gibt es eine Tendenz der Entweltlichung des Holocausts. Das geschieht dann, wenn das Geschehen des deutschen Judenmordes in eine Einzigartigkeit überhöht wird, die letztlich dem Verstehen und der Analyse entzogen ist. Offensichtlich suchen bestimmte Milieus postreligiöser Gesellschaften nach der Dimension der Absolutheit, nach dem Element des Erschauerns vor dem Unsagbaren. Da dem Nichtreligiösen das Summum Bonum – Gott – fehlt, tritt an dessen Stelle das absolute Böse, das den Betrachter erschauern lässt."

Der Holocaust ist, Gauck zufolge, eine Ersatzreligion der Atheisten. Damit stellt er sich in eine Reihe mit jenen, die nicht wahrnehmen wollen, dass ein wesentliches Element der nationalsozialistischen Ideologie die radikalisierte, bigotte Überhöhung der christlichen Judenfeindlichkeit ist. Das geflissentliche Übersehen dieser Tatsache dient dem Zweck, den Nationalsozialismus mit seinen Verbrechen, darunter den systematischen, industriellen Völkermord an den Juden, abzuschwächen, damit eine Gleichsetzung mit dem anderen totalitären System, dem kommunistischen, möglich wird. Beide Systeme sind von der entmenschlichenden Gleichschaltung, über die Bespitzelungssysteme, die Repressionen gegen Andersdenkende, bis hin zu KZ und Gulag, bis hin zu Kriegsverbrechen, Deportation und Vertreibung durchaus vergleichbar, selbst die Judenfeindlichkeit und Judenverfolgung ist vergleichbar. Allenthalben entsteht die Schieflage beim Vergleich der zwei Systeme aber gerade durch den Holocaust. Keine andere Ideologie als die nationalsozialistische hat jemals ein Verbrechen dieser Dimension hervorgebracht.

Das Amt des Bundespräsidenten hat Wulff am wenigsten beschädigt,

wenn man es mit der NS-Vergangenheit seiner Vorgänger vergleicht. Mit seinen Ansichten ist Joachim Gauck in der Tat der bessere Mann für das Bundespräsidentenamt, denn die Mehrzahl seiner Amtsvorgänger stand in "guter" NS-Tradition. Während die Teilnahme an den NS-Verbrechen durchaus entschuldbar war für ein solches Amt gelten ehemalige Stasi-Mitarbeiter selbst als Bibliothekare in der "Gauck-Behörde" als "unerträglich". Deshalb ist der Holocaust genau die "Stellschraube", an der korrigiert werden muss.


Die Liste der Bundespräsidenten  mit NS-Bezug:
1949 bis 1959: Theodor Heuss, FDP, stimmte als Abgeordneter der Deutschen Staatspartei dem Ermächtigungsgesetz zu, das Hitler an die Macht brachte;
1959 bis 1969: Heinrich Lübke, CDU,  Mit der "Baugruppe Schlempp" hatte er Baracken für KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter gebaut.
1974 bis 1979: Walter Scheel, FDP, war Mitglied der NSDAP und Offizier der Luftwaffe
1979 bis 1984: Karl Carstens, CDU, trat 1933 der SA und später der NSDAP bei. War später als Jurist Befürworter der Berufsverbote gegen Kommunisten und Gegner von Brandts neuer Ostpolitik.
1984 bis 1994:  Richard von Weizsäcker, CDU, trug als Mitglied der Geschäftsleitung des Chemieunternehmens Boehringer maßgebliche Mitschuld an der Entwicklung des "Entlaubungsmittels" Agent Orange. Von dessen Einsatz im US-Krieg gegen Vietnam,  das unsägliches Leid über das vietnamesische Volk brachte, hat er nichts gewusst. Als Adjutant des Regimentkommandeurs hat Weizäcker vom Treiben der SS-Einsatzgruppen hinter der Front nichts gewusst. Von den Kriegsverbrechen seiner Einheit, der 23. Infanteriedivision, die der stern 1991 recherchierte, hat von Weizäcker nichts gewusst. Die "Bestrafung" seines Vaters, des SS-Brigadeführers Ernst von Weizäcker, mit fünf Jahren Haft, empfand er als "ungerecht". Er wurde mit nur(!) 5 jahren Haft verurteilt wegen der Deportation von 6.000 französischen Juden nach Auschwitz, das heißt: für Beihilfe zum Mord. Auch für Ernst von Weizsäcker erwieß sich vor dem Nürmberger Kriegsverbrechertribunal eine Strategie als hilfreich: was mit den Juden in Auschwitz "gemacht" wurde, hatte er nicht gewusst.
1994 bis 1999: Roman Herzog, CDU, selber kein Nazi, aber "Ziehsohn" von NS-Marinerichter Hans Filbinger, der ihn 1978 ins baden-württembergische Kabinett holte und von Theodor Maunz, der gegen das "Judentum in der Rechtswissenschaft" kämpfte und anonymer Autor der Nationalzeitung war.

Für eine fast ungebrochene Kontinuität in der deutschen Präsidentenriege ist Gauck der richtige Mann - das ist nur zu offensichtlich.




Kommentare

  1. Du musst den Mann aus seiner Biographie vertehen. Sein Vater war Kapitän in Hitlers Diensten. Seine Mutter war ab 1932, der Vater ab 1934 in der NSDAP. 1951 wurde Gaucks Vater von der aufgrund von Denunziation vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und nach Sibirien verschleppt. 1955 kehrte der Vater heim. Die Verhaftung vor den Augen des Kindes prägt ganz sicher mehr und wiegt schwerer als das nur auf rationaler Ebene übermittelte Wissen von der Mitschuld am Krieg, an den Kriegsverbrechen und am Holocaust. Was sind vier Jahre Gulag für jeden einzelnen Nazi gegen tausenfachen Mord an unschuldigen und wehrlosen Frauen, Männern, Kindern in den Vernichtungslagern, mag man fragen. Aber es ist wie beim Hebelgesetz. Der feste Punkt für den Hebel ist bei diesem Vergleich immer weit weg von einem selber, so dass man ein scheinbar unmögliches Gleichgewicht bekommt. Ich glaube, der Gauck hat das inzwischen aber verstanden.

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