Politische Korrektheit - die moderne Form der Bigotterie

"Die Geschichte des Rassismus wird fortgesetzt, wenn man weiße Schauspieler schwarz schminkt". Zugespitzt in diesem Vorwurf offenbart sich die Bigotterie von politisch Korrekten, die andere kulturelle und soziale Zusammenhänge in ein beliebiges anderes Umfeld projizieren, um anderen zuerst ein Fehlverhalten zu unterstellen und sich dann selbst zu erhöhen.

Opfer solcher bigotten Attacken sind Prominente - vorzugsweise deshalb, weil die Attackierenden sich dann noch besser fühlen, denn sie stehen moralisch höher als diese.

So erging es Dieter Hallervorden, der das kleine Berliner Schlossparktheater 2008 übernommen hatte und für den 7. Januar 2012 die Premiere von Herb Gardners Broadway-Hit «Ich bin nicht Rappaport» (1984) ansetzte. Die Hauptfiguren sind ein Jude und ein Afroamerikaner. Letzterer wurde mit einem Weissen besetzt, mit Joachim Bliese; den Juden spielte Hallervorden selbst. Bereits vor der Premiere kam es zu einem Shitstorm: "Da muss man aufstehen und Widerstand leisten!" forderte der Bigott-Korrekten. Es ist vor allem die Praxis des Schwarzschminkens (#blackfacing), die zu dem Rassismusvorwurf führte. Die Theaterleitung und Hallervorden beeilten sich, Stellung zu nehmen zu diesen Vorwürfen.

Einmal angesetzt auf das Thema machen die Bluthunde der Korrektheit nun Jagd auf weitere Promis, die sich "rassistische Schnitzer" erlauben. Jüngstes Opfer Markus Lanz.
Was am 15.12.13 als "Wetten, dass..?"-Gag gedacht war, lößte den nächsten Shitstorm aus. Bigotte Tugendwächter werfen dem ZDF das rassistische #blackfacing vor - weil die Augsburger als schwarz angemalter Jim Knopf zur Saalwette kommen sollten. Der Sender nennt die Vorwürfe "absurd", doch Verbände fordern eine Entschuldigung.

Bereits zu Hallerforden hatte Hadija Haruna 2012 im Tagesspiegel unter dem Titel "Schwarz auf Weiß" über die Hintergünde des Blackfacing aufgeklärt - und mich fast überzeugt. Aber nur fast. Den fast wortgleichen Artikel publizierte am 19.12.13 auf Markus Lanz bezogen die Sächsische Zeitung unter dem Titel "Schwarz ist mehr als eine Farbe".

Ich glaube, hätte Markus Lanz den Artikel von Haruna gelesen, hätte er sogar eine Formulierung gefunden wie: "Falls sie nicht dunkelhäutig sind, malen sie sich eben an." Man kann sich durchaus bemühen, solche Fettnäpfchen zu vermeiden. Auf der anderen Seite sollte aber zu unserer modernen und weltoffenen Kultur gehören, nicht alles als Beleidigung oder gar Stigmatisierung auszulegen, was aus anderen historischen Zusammenhängen im Sprachgebrauch zu finden ist.

Der Negerkuss ist keine Beleidigung, sondern eine Köstlichkeit. Das Zigeunersteak ist ein Steak mit scharfen südosteuropäischen Zutaten und mag dem einen schmecken wie dem anderen ein papierdünnes Wiener Schnitzel, das auch keinen Wiener beleidigt. Politisch korrekt zu sein ist eine Form der Höflichkeit, aber auch nicht mehr. Wenn man mal - aus Versehen oder absichtlich - unhöflich ist, dann ist das aber kein Verbrechen. Wenn doch, endeten wir  in der bigotten Meinungsdiktatur - ängstlich-fromm, sittlich-streng und mit Eifer hinter jedem her, der auch nur versehentlich unheiliges Gedankengut verrät.






Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der kriminelle Alfred Koch stilisiert sich zum Putin-Gegner

Bigotterie der Lügenpresse

Hochgelobte Verbrecher