Ziemlich deutscher Pazifismus?

67 ostdeutsche Pfarrer erinnern an die Tradition einer Bewegung des Friedens, die gestützt auf die Bergpredigt über „Schwerter zu Pflugscharen“ und den friedlichen Mauerfall Zeichen gesetzt hat, wie eine Welt gewaltfrei verändert werden kann.
Dieser „deutsche Pazifismus“ hat den Respekt und die Hochachtung der Weltgemeinschaft erfahren, jedoch hat Deutschland diesen Weg schon 1999 durch sein maßgebliches „Mitmischen“ im Balkankrieg wieder verlassen. Der Verrat an der Idee des „deutschen Pazifismus“ gipfelte in Peter Strucks historischer Aussage „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“
Erstaunlich ist, dass nun ausgerechnet Ex-Pfarrer Gauck seinen Ex-Kollegen das gleiche Argument entgegen hält, das auch schon zur Friedensdoktin der DDR gehörte: „Der Frieden muss notfalls mit der Waffe in der Hand verteidigt werden.“
Und der Westliche-Werte-FundamentalistHeinrich-August Winkler springt Gauck bei und unterstellt, der Protest der Pfarrer sei „fundamentalistisch“, wenn er darin besteht, die christliche Friedensbotschaft in die Welt zu tragen.

Winkler unterstellt, in der Friedensbotschaft sei von „politischer Freiheit und Menschenrechten“ nicht die Rede. Dass die Friedensbotschaft diese Dinge impliziert, kann er nicht verstehen, da sie in sein eigenes abstruses „Westbindungs-Konstrukt“ nicht zu passen scheinen. Für viele Christen und nicht nur für diese ist die Bergpredigt der erste „Entwurf“ einer Friedens-, Freiheits- und Menschenrechtsdeklaration. Gerade daraus leiten sich „westliche Werte“ ab – nur nicht bei Herrn Winkler, deshalb unterstellt er, die Pfarrer stellten die „Westbindung“ in Frage.

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